Einführung_EW

Willkommen beim Fach Erziehungswissenschaft

Kleine Anekdote aus dem HLG (2015):
Die Lehrkraft fragt die SchülerInnen ihres Leistungskurses in der Q1, warum sie sich für das Fach
Erziehungswissenschaft als LK entschieden haben.
Ein Schüler, der außer Erziehungswissenschaft noch einen Leistungskurs in Mathematik gewählt
hat, meldet sich zu Wort: „Pädagogik ist einfach das wichtigste Fach.“
Erfreut über diese Antwort, fragt die Lehrkraft nach, wie er zu dieser Ansicht komme.
„Ich lerne etwas für mich und für mein Leben“, ist seine Antwort.

 

Erziehungswissenschaft als Bildungsfach
Das Fach Erziehungswissenschaft (im Folgenden abgekürzt als EW) bzw. Pädagogik gehört zu den Gesellschaftswissenschaften und ist seit der Oberstufenreform zu Beginn der 70er Jahre ein fester Bestandteil des allgemeinbildenden Fächerkanons der Sekundarstufe II an Gymnasien und Gesamtschulen in NRW.
Was ist nun das „Allgemeinbildende“ dieses gesellschaftswissenschaftlichen Faches? Eine wesentliche Aufgabe der Erziehungswissenschaft ist das Reflektieren über Erziehungsprozesse. Diese Aufgabe, welche nicht nur Eltern und Erzieher, sondern die gesamte Gesellschaft betrifft, hat heutzutage nicht an Bedeutung verloren - im Gegenteil. Die zunehmende Verunsicherung bzw. das Hinterfragen von Erziehungsprozessen wird in vielen Bereichen unserer Gesellschaft deutlich. Dabei hält das Fach wie kaum ein anderes eine Sonderstellung inne, da es Theorie und Praxis verbindet. Themen wie zum Beispiel Lernen, Interkulturalität, sowie Probleme von Kindern und Jugendlichen werden theoretisch erarbeitet und sind gleichzeitig Teil des alltäglichen Lebens, in welchem die SchülerInnen selbst involviert sind.
Auch der vielfach diskutierte gesamtgesellschaftliche „Wertepluralismus“ wird in EW thematisiert und die SchülerInnen lernen solche gesellschaftlichen Phänomene nach wissenschaftlichen Maßstäben zu beurteilen und werden auf diese Art pädagogisch handlungsfähig. Darüber hinaus finden aktuelle gesellschaftliche Themen wie zum Beispiel die derzeitige Flüchtlingsdebatte in den Unterricht und durch das Hinzuziehen von Theorien werden solche gesellschaftlichen Aspekte oft aus einem neuen, wissenschaftlicheren Blickwinkel betrachtet.
Erziehungswissenschaft als lebensnahes Fach Die immer währende Aktualität pädagogischer Themen sowie die starke Orientierung an der Lebenswelt der SchülerInnen macht das Fach EW für die Schülerschaft besonders attraktiv. Auch eigene Erfahrungen mit Erziehungs- und Lernprozessen werden mithilfe von theoretischen Kenntnissen analysiert und reflektiert, wobei dies nicht in den Bereich der Selbsttherapie hinein geht. Dennoch ist der große Bezug zur Lebenswelt der SchülerInnen sehr motivierend für diese.

Fragen, die sich das Fach Erziehungswissenschaft stellt:
Warum braucht der Mensch eigentlich Erziehung?
Wie entwickeln sich Persönlichkeiten und welche Faktoren sind dabei maßgebend?
Wie entwickelt sich ein Kind sozial und kognitiv?
Welche Rolle spielen die täglich zunehmenden Angebote der „Neuen Medien“ bei der Entwicklung
eines Kindes?
Wie kommen Normen- und Wertvorstellungen zustande?
Welche Prozesse laufen ab, wenn wir lernen? Wie lernen wir effektiv und mit Spaß?
Wie bildet sich eine Identität und welche Rolle spielt das Umfeld dabei?
Welchen Herausforderungen müssen sich Jugendliche stellen und welche Probleme können im
Jugendalter auftauchen? Wie können wir Jugendliche im Zeitalter 3.0 bei der Identitätsbildung unterstützen?
Welche Institutionen begleiten Eltern und Erzieher im Erziehungsprozess von Kindern?
Was ist Moral und warum gibt es verschiedene moralische Auffassungen?
Inwiefern ist die Erziehung abhängig von kulturellen, gesellschaftlichen sowie politischen Hintergründen?
Diese und zahlreiche weitere Fragen werden innerhalb des Faches EW vor dem Hintergrund verschiedener Theorieansätze beleuchtet und kritisch diskutiert. Das Fach EW bereitet die SchülerInnen, die in einer Gesellschaft leben, in der eine stete Zunahme an pädagogischem Wissen in allen Lebensbereichen zu verzeichnen ist, auf ihr künftiges Leben vor. Es lädt die Jugendlichen dazu ein, darüber nachzudenken, wie sie geworden sind, wer sie sind.
Öffnung von Schule bzw. außerschulische Lernorte Aufgrund der oben genannten besonderen Chance des Faches Erziehungswissenschaft, in direkter Weise an den Lebenskontext der SchülerInnen anzuknüpfen und diesen mit einzubeziehen, pflegen wir die Öffnung von Schule, also des Faches EW, nach außen. Dies geschieht zum Beispiel dadurch, dass Experten eingeladen werden (wie zum Beispiel ein Heimpädagoge) aber auch durch Exkursionen (wie zum Beispiel zur Montessori Schule in Bochum). Darüber hinaus besteht ein Austausch mit dem neben dem HLG gelegenen Kindergarten, welcher ebenfalls die Erziehungswirklichkeit unseren SchülerInnen näher bringt.


Kompetenzen, die in EW vermittelt werden
Dem Anspruch der Wissenschafts- und Handlungspropädeutik dienen u.a. die folgenden Kompetenzen fachlicher Art:
Sachkompetenz:
Die obligatorischen fachspezifischen Inhalte des Curriculums werden erarbeitet. Das Curriculum des Faches EW am HLG orientiert sich dabei an den Vorgaben für das entsprechende Zentralabitur und wird regelmäßig überarbeitet und erneuert. Es gilt unter Bezugnahme auf die obligatorischen Inhalte des Faches EW eine Beschäftigung mit der Erziehungswirklichkeit zu ermöglichen, indem diese (vermittelt durch Theorien oder, falls möglich, durch die Praxis) beobachtet, gedeutet und reflektiert wird, um die SchülerInnen nicht zuletzt zu einer praktischen und aktiven Mitgestaltung dieser Erziehungswirklichkeit (über den Unterricht hinaus) befähigen zu können.
Aktuelle Vorgaben für das Abitur im Grundkurs sowie im Leistungskurs befinden sich auf der Seite des Schulministeriums NRW und können dort jederzeit eingesehen werden.
Methodenkompetenz:
Ein zentrales Ziel von EW ist die gezielte Förderung methodischer Kompetenzen. Hierbei geht es übergeordnet, wie auch in anderen Fächern, darum das selbstständige Lernen und Arbeiten zu fördern. Dazu werden die SchülerInnen beispielsweise in Techniken der Informationsbeschaffung, Analyse und Auswertung dieser Informationen sowie in Möglichkeiten der Aufbereitung und Präsentation (in Form von Texten, Referaten usw.) angeleitet und unterstützt. Methodische Kompetenzen, welche insbesondere dem Fach EW zuzuordnen sind, sind z.B. die Arbeit mit Fallbeispielen.
Großen Wert legen wir darauf, dass die SuS immer wieder Gelegenheit bekommen, die pädagogische Perspektive einzunehmen - daher gehören Rollenspiele, Podiumsdiskussionen, das Verfassen von inneren Monologen sowie das Entwickeln pädagogischer Handlungspläne mit in unser methodisches Repertoire.
Da sich das Fach EW der Wissenschaftspropädeutik verpflichtet sieht und seine SchülerInnen auf die universitäre Arbeit vorbereiten möchte, stellt das wissenschaftliche Arbeiten einen großen Schwerpunkt dar. Dieses wird zum Beispiel durch das erlernte Umgehen mit wissenschaftlichen Texten, sowie das kritische Hinterfragen von Theorien aber auch durch das Verfassen einer Facharbeit geschult.

Urteilskompetenz:
Zentrales Anliegen des Faches EW ist die Förderung der Reflexions- und Urteilsfähigkeit der SchülerInnen. Schüler werden angeleitet mit Hilfe von Sachverhalten pädagogische Konflikte und Situationen einzuordnen und zu bewerten. Ziel ist hierbei immer auch die pädagogische Handlungsfähigkeit der Heranwachsenden zu fördern.
Sozialkompetenz:
Eine besondere Bedeutung kommt in EW der Förderung der sozialen Kompetenzen zu. Dies geschieht insbesondere durch den Einsatz kooperativer Lernformen, die das Ziel verfolgen, die SchülerInnen zur konstruktiven Zusammenarbeit mit anderen zu befähigen. Nicht zuletzt können durch derartige Vorgehensweisen sowie mittels der Inhalte des Pädagogikunterrichts die kommunikativen Fähigkeiten der SchülerInnen in besonderem Maße gefördert werden.
Fächerübergreifendes Lernen
In vielen Unterrichtsreihen innerhalb des Faches Erziehungswissenschaft ergeben sich sinnvolle Möglichkeiten der Kooperation mit anderen Fachbereichen und Fächern, die den SchülerInnen das Lernen durch gedankliche Vernetzungen erleichtert. Die Formen und Inhalte der Zusammenarbeit
werden auch durch Absprachen zwischen den FachkollegInnen festgelegt. Vorrangig sind hier zu nennen: Sozialwissenschaft, Geschichte, Biologie, Deutsch und Kunst.
Neue Medien
Selbstverständlich ist für uns auch der unterrichtliche Umgang mit den Neuen Medien wichtig, wodurch sich ebenfalls ein weites Spektrum motivierender methodischer Arbeitsweisen ergibt. Schülerpräsentationen werden zum Beispiel u.a. mit Laptop und Beamer vorgeführt. Darüber hinaus werden PC und Beamer auch bei Lehrerpräsentationen wie z. B. von ausgewählten Filmausschnitten, genutzt. Darüber hinaus werden in der Einführungsphase sowie in der Qualifikationsphase auch an geeigneten Stellen Filme oder Filmausschnitte gezeigt, um den SchülerInnen die Erziehungswirklichkeit näher zu bringen.
EW am HLG
Das Fach EW erfreut sich am Helene-Lange Gymnasium großer Beliebtheit und daher gibt es in der Einführungsphase meistens drei EW Kurse und in der Qualifikationsphase immer mindestens einen Leistungskurs und zwei Grundkurse. Das Helene-Lange Gymnasium in Dortmund hat das Zertifikat „Schule ohne Rassismus“ und dieses Anliegen finden auch im Rahmen der Interkulturellen Erziehung Einzug in das Fach EW.